Schnell und erfolgreich nach optimalen Krebsmedikamenten „fischen“!

Prof. Dr. Patrick Müller

Madeleine-Schickedanz-Stiftungsprofessur “Modellierung der Tumorigenese”
Brückenprofessur zwischen Universitätsklinikum Tübingen (Abteilung Onkologie, Hämatologie und Klinische Immunologie, Sektion Translationale Onkologie) &
Friedrich-Miescher-Laboratorium der Max-Planck-Gesellschaft

Das Forschungsteam vor "ihren" ZebrafischenProf. Dr. Patrick Müller, Prof. Julia Skokowa, Dr. Baubak Bajoghli (v.l.n.r.)

 

Die Ausgangssituation.

Krebszellen weisen im Vergleich zu anderen Körperzellen vermehrtes Wachstum auf und können im schlimmsten Fall im ganzen Körper des Patienten streuen. Jüngste Erbgutanalysen von Krebspatienten haben eine Vielzahl von veränderten Genen aufgezeigt, bei denen aber unklar ist, ob sie tatsächlich ursächlich mit dem Tumorwachstum in Verbindung stehen.

Therapien können deshalb heutzutage noch nicht leicht maßgeschneidert werden. Patienten erscheinen gegenüber einer etablierten Behandlung sogar häufig als „resistent“, weil die Medikamente nicht für die tatsächliche Genveränderung des Patienten geeignet sind.

Meine Forschungsgruppe entwickelt in Zusammenarbeit mit Prof. Julia Skokowa und Dr. Baubak Bajoghli vom Universitätsklinikum Tübingen Wirkstofftests im Hochdurchsatzverfahren, um neue personalisierte Krebsmodelle zu erstellen und innerhalb kurzer Zeit Krebsmedikamente individuell für jedes krebskranke Kind zu finden.

Die Methode.

Wir verwenden Larven von Zebrafischen*. Die große Nachkommenzahl, das Wachstum im Wasser außerhalb der Mutter und die durchsichtigen Larven ermöglichen es uns, gleichzeitig Hunderte von Kandidaten-Medikamenten auf ihren möglichen krebshemmenden Effekt bei einem bestimmten Patienten zu untersuchen. Dazu bringen wir Krebszellen aus Patienten in Zebrafischlarven ein und prüfen innerhalb weniger Tage im Hochdurchsatz, welche Wirkstoff-Kombinationen das Wachstum der Tumor-Zellen maximal hemmen, ohne die Zebrafischentwicklung zu beeinträchtigen.

Ein Schaubild, das den Abschnitt Methode veranschaulicht.

 

Das Ziel.

Bisher war es nicht möglich, in einer so kurzen Zeit derart zahlreiche verschiedene Medikamente auf ihre Wirksamkeit gegenüber einem bestimmten individuellen Tumor zu prüfen. Ziel ist es, mit diesem neuen Ansatz schnell hochwirksame und patientenspezifische Medikamentencocktails zu identifizieren, die dann effizient und ohne die Gefahr einer möglichen „Resistenz“ zur Anwendung kommen sollen. Für die erkrankten Patienten heißt das: Wir wollen für sie die maximal wirksame Krebstherapie um ein Vielfaches schneller finden als bisher, und ohne für die Patienten belastende „Fehlversuche“.

 

*Anmerkung zum Thema Tierversuche.

Die Tests erfolgen nicht an ausgewachsenen Zebrafischen, sondern ausschließlich an deren Larven, die sich noch von ihrem Dottersack ernähren und bis zum Beginn der selbstständigen Nahrungsaufnahme nicht unter die Regelungen des Tierschutzgesetzes fallen.